Hyperakusis – wenn man auf Geräusche überempfindlich reagiert

Hyperakusis – was ist das?

Unter dem Begriff Hyperakusis versteht man eine Geräuschüberempfindlichkeit. Diese kann auf einem oder beiden Ohren auftreten und äußert sich dadurch, dass Betroffene bereits geringe Lautstärken als anstrengend und unangenehm empfinden. Selbst der übliche Straßenlärm, das Klingeln der Haustür oder ein Hundebellen können dadurch zur Qual werden. Häufig ist eine Geräuschüberempfindlichkeit ein Ausdruck von Überlastung oder psychischer Beeinträchtigung, weshalb in diesem Zusammenhang oft der Tinnitus genannt wird. Hierbei sollte man jedoch eine wichtige Sache beachten: Tinnitus ist nicht die Ursache für Hyperakusis und auch umgekehrt ist Hyperakusis nicht die Ursache für den Tinnitus. In Deutschland sind dennoch über 40 % der Tinnitus-Patienten von dieser Geräuschüberempfindlichkeit betroffen. Man spricht von einer Hyperakusis dolorosa, wenn das Symptom nicht nur als unangenehm, sondern gar als schmerzhaft empfunden wird. Des Weiteren kann man eine Unterscheidung zur Hypakusis (Schwerhörigkeit) und Dysakusis (Fehlhörigkeit) machen.

Leide ich unter Hyperakusis?

Um eine Hyperakusis festzustellen, sollte man sich von einem fachkundigen Arzt oder einer fachkundigen Ärztin untersuchen lassen. Eine Eigendiagnose ist nicht sinnvoll, da es bei Selbstuntersuchung schnell zu falschen Schlussfolgerungen kommen kann. Daher ist in der Regel der Hals-Nasen-Ohrenarzt der richtige Ansprechpartner. Dieser kann durch diverse Tests des Hörvermögens und der sogenannten Unbehaglichkeitsschwelle feststellen, ob es sich wirklich um eine Hyperakusis handelt. Nicht selten fällt die Diagnose nämlich anders aus: Reagiert eine Person nur überempfindlich auf bestimmte Geräusche und nicht auf alle generell, leidet sie unter Misophonie. Subjektive Symptome sind bei der Feststellung von Hyperakusis sehr entscheidend, weshalb bei Verdacht dringend zu einem persönlichen Gespräch mit dem Arzt geraten wird.

Normalerweise filtert das Gehirn wichtige von unwichtigen Geräuschen. Durch diese natürliche Filterfunktion wacht eine Mutter beispielsweise vom nächtlichen Geschrei ihres Babys auf, bleibt vom Straßenlärm jedoch unberührt. Bei einer Hyperakusis funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr und die Verarbeitung der Hörsignale im Gehirn ist gestört. Die Ursachen für diese Disfunktion lassen sich oft auf andere Erkrankungen zurückführen.

Organische Ursachen wie Innenohr-Schwerhörigkeiten

Bei der Innenohrschwerhörigkeit, auch als Schallempfindungsschwerhörigkeit bekannt, handelt es sich um eine Funktionsstörung im Bereich des Innenohrs, die eine Beeinträchtigung des Hörvermögens nach sich zieht. Die Innenohrschwerhörigkeit tritt in verschiedenen Stadien und Stärken auf. So gibt es Betroffene, die nur an einem leichten, gut behandelbaren Hörverlust leiden. Allerdings sind auch Fälle bekannt in denen Personen durch eine Innenohrschwerhörigkeit ihr gesamtes Hörvermögen, auf einem und teilweise auch auf beiden Ohren, verloren haben. Oft geht Innenohrschwerhörigkeit auch mit dem Alter einher, weshalb viele Senioren von ihr betroffen sind. Dies liegt auch daran, dass unser Gehör sehr empfindlich ist und bereits eine tägliche Lärmbeschallung von 85 Dezibel über einen Zeitraum von 6-8 Stunden ausreichen, um unser Gehör nachhaltig zu schädigen. Diesem Dezibelbereich entspricht bereits lauter Straßenlärm oder etwas aufgedrehte Musik. Eine Innenohrschwerhörigkeit wird häufig dadurch diagnostiziert, dass bereits im frühen Stadium Umgebungsgeräusche nur eingeschränkt wahrgenommen werden.

Formen der Epilepsie, Gesichtslähmung oder Multiple Sklerose

Epilespsie

Eine Epilepsie, umgangssprachlich auch Fallsucht genannt, zeichnet sich durch die mit ihr einhergehenden epileptischen Anfälle aus. Bei diesen kommt es zu unkontrollierbaren Krampfanfällen, die jederzeit eintreten und für unbestimmte Dauer anhalten können. Die Epilepsie lässt sich in eine Vielzahl unterschiedlicher Formen unterteilen. Als Beispiele sind hier zu nennen die generalisierten Anfälle, die Rolando Epilepsie, oder auch das Lennox-Gastaut-Syndrom. Es gibt viele mögliche Ursachen, die epileptische Anfälle bedingen können. So kann eine Epilepsie auf andere Krankheiten wie zum Beispiel einen Schlaganfall, oder eine Hirnhautentzündung zurückzuführen sein. In den häufigsten Fällen gehen Wissenschaftler jedoch von einer genetischen Veranlagung zur Epilepsie aus. Derzeit gibt es noch keine Heilung für Fallsucht, es sind jedoch viele Forschungsprojekte rund um den Globus bemüht eine dauerhafte Lösung für Betroffene zu finden. Jedoch gibt es viele Medikamente, die zumindest die Symptome einer Epilepsie unterdrücken können. Hierzu zählen unter anderem die Antiepileptika.

Gesichtslähmung

Auch die Gesichtslähmung zeichnet sich dadurch aus, dass sie plötzlich und ohne Vorwarnung jederzeit auftreten kann. Sie führt dazu, dass man beispielsweise seine Augen nicht mehr öffnen kann, die Sprache unverständlich wird und das Gesicht entstellt wirkt. Die Gesichtslähmung hat in vielen Fällen zudem nicht nur starke negative physische Auswirkungen, sondern beeinträchtigt bei vielen Betroffenen auch die Psyche in einem hohen Ausmaß.

Multiple Sklerose

Bei multipler Sklerose handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die aus einer chronischen Entzündung des Nervensystems herrührt. Betroffene leiden oft an Gefühlsstörungen wie unerwartetes Kribbeln von Extremitäten und schmerzhaften Lähmungen.

Psychische Beeinträchtigungen wie Depressionen oder Angststörungen

Bei einer Depression handelt es sich um eine anerkannte psychische Erkrankung. Oft entstehen Depressionen durch übermäßigen Stress und Druck beispielweise bei der Arbeit, oder durch Traumata die bis in die Kindheit zurückreichen können. Auch genetische Ursachen können eine Depression bedingen. So sind manche Menschen genetisch einfach weniger widerstandsfähig und damit leichter anfällig für psychische Krankheiten. Zu den Symptomen einer Depression zählen einer immerwährendes untergründiges Gefühl der Traurigkeit, sowie Hoffnungslosigkeit und chronische Erschöpfung. Zudem sind eine extreme Antriebslosigkeit und ein stark nachlassender Wille zum Leben starke Anzeichen einer Depression. Bei Angststörungen handelt es sich eigentlich um einen Schutzmechanismus des Körpers. Empfindet man Angst, versucht der Körper einen zu schützen. Hierbei wird das Schutzempfinden jedoch derart übertrieben, dass man ohne aktiv dagegen handeln zu können auch in Alltagssituationen plötzlich extremen Wellen der Angst ausgesetzt ist. Besonders in modernen Industrienationen sind Depressionen und Angststörungen weit verbreitet.

Medikamenten-Nebenwirkungen (in seltenen Fällen)

Die Einnahme von Medikamenten ist immer auch mit dem Risiko von Nebenwirkungen verbunden. Nicht umsonst wird in Medikamenten Werbungen explizit auch darauf hingewiesen unbedingt die Packungsbeilage zu lesen und sich an seinen Arzt oder Apotheker zu wenden. Da man nie genau vorhersehen kann welche Medikamente bei einem individuell welche Nebenwirkungen haben werden, sollte man bei dem Konsum selbiger also Vorsicht walten lassen. In seltenen, aber nicht ausgeschlossenen Fällen können einige Medikamente auch ungewünschte Auswirkungen auf das eigene Nervensystem haben. Dies kann zu Störungen bezüglich der Weiterleitung und Verarbeitung von Signalen im Gehirn führen. In wirklich seltenen und wirklich schlimmen Fällen kann es sogar soweit gehen, dass die Betroffenen unter Dauerhaften Erkrankungen des Nervensystems leiden. Hierzu zählt unter anderem die Hyperakusis. Sollte ein solcher Fall bei dir eintreten ist es unabdingbar, dass du dich sofort an einen Arzt, oder eine andere versierte Person wendest.

 

Alkoholkonsum

Zu hoher Alkoholkonsum zieht eine ganze Reihe negativer physischer und psychischer Folgen nach sich. So entzieht er dem Körper Wasser, was selbigen dehydrieren lässt und zum allseits bekannten Kater führt. Zudem handelt es sich bei den Kalorien im Alkohol um sogenannte leere Kalorien, dass heißt der Körper kann mit den Nährstoffen im Alkohol nichts anfangen und führt die Kalorien direkt dem Fettgewebe hinzu. Weitere negative Folgen von Alkohol sind das Absterben von Gehirnzellen, sowie eine Beeinträchtigung der Regeneration. Dadurch wird der Schlaf verschlechtert, was sowohl physische, als auch psychische Auswirkungen auf den ganzen nächsten Tag hat. Zudem handelt es sich bei Alkohol um ein Suchtmittel, welches auf Dauer abhängig machen kann. In sehr schwerwiegenden Fällen kann ein zu exzessiver Alkoholkonsum auch chronische Krankheiten oder beispielsweise Hyperakusis hervorrufen. Solltest du also merken, dass dein Alkoholkonsum Überhand gewinnt, wende dich am besten sofort an deinen Hausarzt.

Migräne

Eine Krankheit kann die andere bedingen. So ist es auch bei Migräne und Hyperakusis, wobei die Geräuschüberempfindlichkeit durch Migräne ausgelöst werden kann. Bei Migräne handelt es sich um plötzliche, anfallsartig auftretende Kopfschmerzen, die von Betroffenen als überaus schmerzhaft und unangenehm empfunden werden. Zusätzlich kann sich Migräne steigern. Hat man die Anfälle anfangs nur einmal pro Monat, kann es soweit kommen, dass man selbige bald beinahe täglich hat und die Anfälle fast nahtlos ineinander übergehen. Tritt dieser Fall ein spricht man von einer chronischen Migräne, welche unverzüglich durch einen Arzt oder eine Ärztin behandelt werden muss. Unter Migräne zu leiden hat häufig nicht nur physische, sondern auch psychische Auswirkungen. Da Betroffene nie wissen, wann einer der schweren Anfälle stattfinden kann, wird die Krankheit für sie zu einer enormen Belastung. Dies kann sich dann auch negativ auf das berufliche und private Leben auswirken.

Symptome

Eine Hyperakusis kann sich von Mensch zu Mensch unterschiedlich bemerkbar machen. Als eindeutiges Symptom gelten aber negative körperliche Reaktionen auf Alltagsgeräusche. Dazu zählen unter anderem:

Herzrasen

Herzrasen ist eine Reaktion des Körpers auf starke Emotionen wie beispielsweise Angst, Aufregung und Vorfreude. Hierbei handelt es sich um einen schnellen Herzschlag mit Herzklopfen, dass man meist bis in die Schlagadern am Hals spürt. Schlägt dein Herz dauerhaft mehr als 100 Mal pro Minute ist es ratsam, dass du dich sofort an deinen Hausarzt wendest, um dessen diesbezügliche Meinung einzuholen. 

Blutdruckerhöhung

Unter Blutdruck versteht man den Druck, der in einem Bereich des vaskulären Systems vorherrscht. Steigt dieser auf ein zu hohes Niveau und verweilt dort für einen zu langen Zeitraum kann dies starke negative Folgen für die Gesundheit nach sich ziehen. Oft hängt Blutdruck auch mit Herzrasen zusammen und wird durch dieses begünstigt.

Die Unbehaglichkeitsschwelle

Die Unbehaglichkeitsschwelle liegt bei allen Hyperakusis-Betroffenen bei unter 80 Dezibel. Während dieser Wert für eine gesunde Person als normal oder sogar leise gilt, nehmen Erkrankte ihn als unangenehm laut wahr. Manche Menschen werden zusätzlich von Ohrgeräuschen geplagt. Des Weiteren ist eine hohe Stressbelastung des Nervensystems symptomatisch für Hyperakusis. Da sich durch den Stress die Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen quasi selbst verstärkt, kann es in einem regelrechten Teufelskreis enden.

Folgen

Die Auswirkungen von Hyperakusis können weitreichend sein. Häufig sind Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Versagensängste oder Depressionen. Oft kommt es bei Betroffenen dadurch auch zu einer Reduzierung der sozialen Aktivitäten. Da mit der Gesellschaft anderer Menschen negative Hörerlebnisse verbunden werden, geraten Erkrankte oft zunehmend in soziale Isolation. Aus diesem Grund ist es äußerst empfehlenswert, mit einer Therapie gegen die Hyperakusis vorzugehen und schnellstmöglich einen Arzt aufzusuchen.

Selbsthilfe – was du eigenständig tun kannst

Es ist sehr wichtig, die Hyperakusis so früh wie möglich zu behandeln. Dadurch lassen sich später auftretende psychische Probleme meist verhindern. Zunächst kann man mit bestimmten Selbsthilfepraktiken versuchen, die Geräuschempfindlichkeit eigenhändig in den Griff zu bekommen. Beim sogenannten Prozess der Desensibilisierung werden dem Gehör nach und nach lautere Geräusche zugeführt. Das Gehirn soll so die Ausblendung von unwichtigen Tönen lernen. Im konkreten Fall wäre das zum Beispiel das leise Abspielen von Musik im Hintergrund, das Plätschern eines Zimmerbrunnens oder das leise Surren eines Ventilators. Wichtig dabei ist, dass die Geräusche zwar wahrnehmbar, aber nicht störend sind. Allmählich kann die Lautstärke dann erhöht werden, um den Anpassungsprozess im Gehirn zu unterstützen. Zusätzlich erweisen sich tägliches Entspannungstraining und Yoga als hilfreich.

Musik Hyperakusis

Leise Musik im Hintergrund

Zimmerbrunnen Hyperakusis

Plätschern eines Zimmerbrunnens

Hyperakusis Ventilator

Surren eines Ventilators

Yoga Ventilator

Yoga zur Entspannung

Behandlung – wann ist ein Arztbesuch sinnvoll?

Du solltest einen Arzt oder eine Ärztin um Rat bitten, wenn die oben empfohlenen Praktiken zur Selbsthilfe auch nach mehrwöchiger Durchführung keine Wirkung zeigen. Mit professionellen Therapien kann man dann genauer die Ursache der Hyperakusis erkennen und bekämpfen. Unter Zuhilfenahme eines kleinen Gerätes (ähnlich wie ein Hörgerät) wird der Patient auf spielerische Art und Weise wieder an Alltagsgeräusche herangeführt und gewöhnt. Der sogenannte Noiser erzeugt hierbei eine angenehme Geräuschkulisse und funktioniert auch nach dem Prinzip der Desensibilisierung. Der ganze Prozess bis zur Heilung kann bis zu einem Jahr oder länger dauern.

Zusammenfassung - Alles auf einen Blick

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