Ohrenrauschen – Das Wichtigste, was du über Ohrenrauschen wissen musst

Ohrenrauschen ist eine Form von Tinnitus. Es tritt als klopfendes, brummendes Geräusch oder als Rauschen auf. Ohrenrauschen ist neben dem Pfeifen der Ohren die häufigste Form von Tinnitus: 40% der Patienten beschreiben den Ton als Ohrenrauschen, weitere 40% empfinden ihn als hohen Pfeifton. Lediglich 10% hören ein Summen, seltener ein Klingeln oder Zirpen. Das Ohrenrauschen deutet auf eine Schädigung des Gehörs im Tieftonbereich hin. Ein Pfeifen hingegen eher auf eine Schädigung im Hochtonbereich.

Aufkommen und Einordnung von Ohrenrauschen

Ein Viertel aller Menschen erleben mindestens einmal in ihrem Leben einen Tinnitus. Meistens verschwinden die unangenehmen Töne im Ohr bereits nach kurzer Zeit wieder, manchmal kann es jedoch auch zu einer chronischen Belastung kommen. Erfahrungsgemäß geht man ab einer Dauer von über 3 Monaten von einem chronischen Leiden aus. Ab diesem Zeitpunkt sind die Heilungschancen signifikant schlechter. Der Fachbegriff Tinnitus Aurium kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ins Deutsche übersetzt „Klingeln der Ohren“. Er bezeichnet das Hören von Geräuschen, die die Umgebung des Betroffenen nicht wahrnehmen kann. Dass bedeutet allerdings keines Falls, dass es sich um eine Einbildung handelt, sondern der Ton entsteht in 99% der Fälle erst im Kopf des Betroffenen.

Vor allem kurzfristige Ohrgeräusche werden oft als Ohrenrauschen oder Ohrensausen beschrieben. Es entsteht durch laute Musik oder Lärm, kann aber auch von körperlichen Faktoren herrühren. Zum Beispiel einer Mittelohrentzündung oder einem Fremdkörper im Ohr.

Ohrenrauschen tritt entweder einseitig auf dem linken oder rechten Ohr oder beidseitig auf beiden Ohren auf. Es kann immer wieder plötzlich auftreten oder konstant im Hintergrund zu hören sein.
Der Tinnitus kann sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Einige Betroffene geben an, das Ohrengeräusch gut in den Alltag integriert zu haben und dadurch kaum belastet zu werden. Andererseits ist von vielen der Schlaf und die Persönlichkeit stark negativ beeinflusst. Mit einem Ohrenrauschen gehen oft Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten einher. Daher kannst du dich gereizt und angespannt fühlen.

Weitere Folgen von Ohrenrauschen

Kommt zu einem einseitigen Ohrenrauschen noch ein Druckgefühl hinzu und fühlt sich das Ohr wie mit Watte verstopft an oder erlebst du ein Schwindelgefühl, sind dies Anzeichen für einen möglichen Hörsturz. In diesem Fall solltest du umgehend einen HNO kontaktieren. Ein Hörsturz kann innerhalb von Sekunden passieren, dabei leiten die Sinneszellen des Innenohrs die Schallsignale nicht mehr an den Hörnerv weiter. Der Hörsturz kann wieder abklingen, aber das ist keine Selbstverständlichkeit. Daher ist die zügige Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin besonders wichtig, dadurch werden die Heilungschancen erheblich gesteigert.

Ohrenrauschen im Zusammenhang mit Schwindel können auch die Symptome für die Meniére-Krankheit sein.

Meistens klingen die Beschwerden nach kurzer Zeit wieder ab. Solltest du nach mehreren Tagen das Ohrenrauschen noch gemeinsam mit anderen Symptomen wie Schwindel oder Ohrenschmerzen wahrnehmen, kann der Tinnitus auch ein Symptom einer anderen Erkrankung sein. Auch in diesem Fall solltest du einen Arzt konsultieren.

Ohrenrauschen

Spezialfall Pulsierendes Ohrenrauschen

Grundsätzlich unterscheidet man das Ohrgeräusch in einen subjektiven und objektiven Tinnitus: in 99% der Fälle kann nur der Betroffene selbst den Ton wahrnehmen, das bedeutet es existiert keine physische Schallquelle. Genau dann spricht man von einem subjektiven Tinnitus. In einem Prozent der Fälle kann der Arzt oder die Ärztin jedoch mit einem Stethoskop das Geräusch ebenfalls hören, das spricht man von einem objektiven Tinnitus. Dieser wird oft als Zischen wahrgenommen. Wenn dieser als pulsierendes Rauschen im Ohr auftritt, handelt es sich um ein Körpergeräusch. Dieses kann durch einen zu hohen Blutdruck erzeugt werden. Dabei kann man hören, wie das Blut im Takt des Herzens mit zu hohem Druck durch den Körper strömt. Weitere mögliche Ursachen neben Bluthochdruck sind Durchblutungsstörungen, Gefäßverkalkungen, verengte Blutgefäße oder Blutgerinnsel.

Bei einem pulsierenden Ohrenrauschen solltest du ebenfalls direkt einen Arzt oder eine Ärztin kontaktieren, da Blutgerinnsel und verengte Blutgefäße schnell zu einem Infarkt oder einem Schlaganfall führen können. In so einem Fall ist eine zügige Behandlung entscheidend.

Typen von Tinnitus

Der subjektive Tinnitus

Bei diesem Typ von Tinnitus kann ein untersuchender Arzt oder eine Ärztin die Töne nicht wahrnehmen. Die Ursache kann hier meistens bei einem Fehler im auditiven System des Gehirns ausgemacht werden.

Ohrenrauschen
Der objektive Tinnitus

Wenn du nach dem Bemerken eines Tinnitus einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchst, wird diese/r am Anfang unterschiedliche Tests durchführen, um das Geräusch im Ohr ebenfalls wahrzunehmen. Gelingt ihm oder ihr dies, spricht man von einem objektiven Tinnitus. Die Ursache für das Geräusch ist eine real existierende physische Schalquelle. Die Therapie versucht diese Quelle auszumachen und zu entfernen.

Ohrenrauschen

Ursachen für objektives Ohrenrauschen

Für die Ursachenforschung ist von entscheidender Bedeutung, ob es sich um subjektive oder objektive Ohrgeräusche handelt. Objektives Ohrenrauschen deutet oft auf ein Körpergeräusch hin: der eigene Blutfluss rauscht, wenn hoher Blutdruck vorliegt.
Gründe für ein objektives Ohrenrauschen können sein:

  • Bluthochdruck, ausgelöst durch: Blutgerinnsel/ Thrombosen, Gefäßverkalkungen, Verengte Blutgefäße, Generelle Durchblutungsstörungen
  • Hohe Blutfettwerte

Ursachen für subjektives Ohrenrauschen

Diese Form des Ohrenrauschens macht die Mehrheit aller Fälle von Tinnitus aus, nämlich 99%. Es handelt sich im Wesentlichen um eine falsche Wahrnehmung des Gehörs. Oft werden solche Beschwerden durch Stress verstärkt. Folgende Probleme könne zugrunde liegen:

  • Entzündungen des Gehörgangs oder Mittelohrs
  • Hörsturz
  • Knall- oder Schalltrauma in der Vergangenheit
  • Pfropfen aus Ohrenschmalz
  • Probleme mit dem Kiefer oder der Halswirbelsäule
  • Schwerhörigkeit

 

Auf die einzelnen Ursachen soll im Folgenden genauer eingegangen werden:

Ohrenrauschen kann durch die Geräuschbelastung auf einem Konzert ausgelöst werden.

1. Schalltrauma

Sehr laute Geräusche wie Musik auf einem Konzert können die Sinneszellen im Innenohr nachhaltig schädigen. Im schlimmsten Fall kann sogar das Trommelfell platzen. Dieses kann Ohrenrauschen auslösen. Es wird unterschieden zwischen einem akuten Schalltrauma und einem Knalltrauma.

Bei Ersterem findet eine längere Lärmbelastung von mehr als 85 Dezibel (bspw. die Lautstärke eines Orchestergrabens) statt. Ein Knalltrauma wird andererseits von kurzen Geräuschen von über 125 Dezibel (startender Düsenjet in 100 m Entfernung) ausgelöst wird. Ein Schalltrauma betrifft meist die Sinneshaarzellen für die höheren Töne und führt deshalb oft zu einem hohen Pfeifen oder Sausen. Beide Traumata können auch durch einen harten Schlag auf den Kopf, eine Schädelverletzung oder durch den Knall eines Feuerwerkskörpers erzeugt werden. Kommt es zu einem solchen Trauma werden kurzfristig wenige bis gar keine akustischen Signale mehr wahrgenommen.

Ich habe ein konstantes Ringen im Ohr, das macht mich irgendwie auch taub. Ich hätte wohl auch mal Ohrenschützer tragen sollen.

– Ozzy Osbourne

2. Psychische Belastungen

Stress kann zu Verspannungen im Kiefer und in der Halswirbelsäule führen. Diese Verspannungen stimulieren das Hörzentrum im Gehirn. Dort wird der subjektive Tinnitus produziert.

Ohrenrauschen Ursache Stress
Ohrenrauschen - Bluthochdruck

3. Bluthochdruck

Früher nahm man an, dass Blut-hochdruck und Durchblutungsstör- ungen die Hauptursachen für das störende Ohrenrauschen sind. Davon ist man mittlerweile abgekommen.

Dennoch besteht ein Zusammenhang zwischen Stress, Bluthochdruck und objektivem Tinnitus.

Der Körper schüttet Adrenalin aus, dadurch verengen sich die Blutgefäße. Dies wiederum führt zu Bluthochdruck.

Stress kann Tinnitus indirekt verursachen. Allerdings entsteht dadurch kein pulsierender Tinnitus.

4. Mittelohrentzündung oder grippaler Infekt

Bei einer Erkältung kommt es gelegentlich zu einem Sekretstau in der Eustachischen Röhre, welche Mittelohr und Nasenrachen verbindet. Dadurch ist Druckausgleich nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich, das kann schnell zu Ohrenrauschen führen.

Bei einer chronischen Mittelohrentzündung ist Vorsicht geboten. Bakterien können in den Gehörgang gelangen und im schlimmsten Fall die Hörsinneszellen dauerhaft schädigen.

5. Verstopfung des Gehörganges

Ein Ohrenschmalzpropfen kann eine Ursache für Ohrenrauschen sein. In diesem Fall werden akustische Signale nur noch gedämpfte wahrgenommen. Dieser kann allerdings meist ohne größere Schwierigkeiten von einem Facharzt sachgemäß entfernt werden und verursacht danach keine Symptome mehr.

Um dem Ohrenschmalzpropfen vorzubeugen, sollte auf eine vermeintliche „Reinigung“ der Ohren mit Wattestäbchen verzichtet werden, dies kann nämlich auch zu schmerzhaften Mittelohrentzündungen führen.

6. Alkohol

Bestimmte Medikamente und Alkohol wirken auf das zentrale Nervensystem. Dadurch kommt es unter Umständen in seltenen Fällen ebenfalls zu einem subjektiven Tinnitus.

Alkohol Ursache Ohrenrauschen
Halswirbelsäule Ursache Ohrenrauschen

7. Die Halswirbelsäule

Ohrenrauschen ist häufig auch eng mit der Halswirbelsäule verbunden. Dies ergibt Sinn, sobald man den anatom- ischen Zusammenhang betrachtet.
Zwischen den oberen Gelenken der Halswirbelsäule und den Hirnnerven- kernen des Hör- und Gleichge- wichtsnervs verlaufen Nervenbahnen.

 

Außerdem wird die Funktion der Hirnnervenkerne des Hör- und Gleichgewichtsnervs durch Anspannung der Halswirbelmuskulatur gestört. Infolgedessen verstärkt sich das Ohrenrauschen durch eine schmerzbedingte Muskelverspannung.

Des Weiteren lässt sich eine Verbindung zwischen Ohrenrauschen und der Halswirbelsäule durch die Wirbelsäulenarterie herstellen. Diese Arterie verläuft durch den knöchernen Querfortsatz der Halswirbelsäule und im Bereich des Kopfes in Ästen zur Versorgung der Hirnnervenkerne des Hör- und Gleichgewichtsnervs. Verschleiß im Halswirbelsäulenbereich trägt zur Entstehung von Ohrenrauschen bei, besonders bei sehr schnellen Kopfbewegungen oder wenn lange überkopf gearbeitet wird.

Arten des Ohrenrauschens durch Halswirbelsäulenbeschwerden:

Weitere körperliche Ursachen:

  • Barotrauma (durch plötzliche Druckveränderung hervorgerufenen Verletzung des Mittelohrs)
  • Fehlstellungen von Halswirbelsäule und Kiefer
  • Verkalkung der Gehörknöchelchen
  • Dauerhafte Anspannung von Muskulatur, wie zum Beispiel der Kiefermuskulatur kann durch starken Druck die feinen Härchen im Innenohr beschädigen

Eine schnelle Behandlung ist sehr wichtig. Besteht das Ohrenrauschen für länger als 3 Monate, wird es zu einem chronischen Tinnitus und lässt sich nach Erfahrungswerten nicht mehr vollständig heilen. Hier hilft eine Tinnitus-Retraining-Therapy, eine Mischung aus akustischen Simulationen, verhaltenstherapeutischen Ansätzen und Hörtraining.

Die Behandlung muss je nach Ursache individuell mit dem Arzt abgesprochen werden. Bei einer generellen Schwerhörigkeit können Hörgeräte zum Einsatz kommen. Abgesehen davon können Medikamente verabreicht werden. Diese verbessern die Durchblutung des Innenohrs. Entspannungstherapien und verhaltenstherapeutische Maßnahmen, um die Wahrnehmung des störenden Geräusches zu vermindern, können ebenfalls Linderung verschaffen.

Therapieansätze

Durch die breite Streuung von Ursachen für Ohrenrauschen sind die Therapieansätze ebenso vielfältig:
Bei einem akuten Tinnitus ist das Ziel die Sauerstoffversorgung mit durchblutungsfördernden Injektionen, wie z.B. Kortison zu gewährleisten. Alternativ kann auch eine Sauerstofftherapie angewendet werden. In der Naturheilkunde gilt auch Akkupunktur als vielversprechende Behandlungsmethode.

Chronisches Rauschen kann normalerweise nicht geheilt werden. Jedoch können Betroffene in Langzeittherapien lernen, besser mit dem Ohrenrauschen zu leben. Das Erlernen von Entspannungstechniken und Psychotherapie eignet sich, um die Konzentration von den Ohrengeräuschen abzulenken. Zusätzlich können spezielle Hörgeräte, die konstant ein neutrales weißes Rauschen erzeugen, verwendet werden, um das Ohrenrauschen zu übertönen. Wie das klingt, kannst du hier hören: Weißes Rauschen

Wichtig ist, die Ohrengeräusche nicht isoliert zu betrachten. Sondern das ganze physische und psychische Befinden des Menschen zu betrachten. Denn Ohrenrauschen ist meist nur ein Symptom von etwas Größerem. Das Ohrenrauschen ist oftmals der Startpunkt großer Veränderungen im Leben des Betroffenen. Nach einer erfolgreichen Therapie setzt er oder sie sich weniger Stress aus. Zudem schützt er oder sie sich vor Lärm und baut aktive Ruhephasen für den Geist und das Gehör im Alltag ein. Außerdem achtet er oder sie auf ausreichende und ganzheitliche Bewegung und Dehnung um Verspannungen zu vermeiden. Zudem erlernt er oder sie diverse Entspannungstechniken und Atemübungen.

Somit kann der Tinnitus auch eine Chance auf ein gesünderes, ausbalanciertes Leben sein.

Hat der Betroffene bereits seine Lebensumstände reflektiert und verbessert, gibt es außerdem die Möglichkeit mit Mitteln aus der Naturheilkunde nachzuhelfen:

Ginkgo-Extrakt

Die Homöopathie schwört auf Ginkgo-Extrakt. Dieser wird aus Ginkgo-Blättern gewonnen. Patienten mit Schwindel und Ohrengeräuschen (Tinnitus) werden mit Ginkgoblättern behandelt. Das Extrakt wirkt besonders gut bei akutem Tinnitus. Ginkgoblätterextrakte verbessern die Durchblutung im Innenohr, weshalb die Blätter auch bei funktionellen Herzbeschwerden eingesetzt werden können. 

Gingko kann als pflanzliches Heilmittel gegen Ohrenrauschen helfen.

Vorbeugung ist bekanntlich die beste Therapie.
Laute Geräusche tun niemandem gut. Manchmal lässt sich diese Lärmbelastung aber nicht vermeiden. Deshalb ist es sehr empfehlenswert im Club, auf einem Konzert oder bei entsprechend belastender Arbeit, einen Hörschutz dabei zu haben.

Lärmschutz ist das einzige, was in einer lauten Umgebung Ohrenrauschen dauerhaft vorbeugen kann.

Außerdem solltest du auf dein Stresslevel achten und dich regelmäßig bewusst entspannen und abschalten.
Solltest du dennoch einen Tinnitus bekommen, solltest du möglichst schnell einen Facharzt aufsuchen. Je früher die Ursache für dein Ohrenrauschen erkannt wird, desto besser stehen die Heilungschancen.

Ohrenrauschen

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