Bei dem Einen klingelt es im Ohr, der Nächste hört ein Piepen oder empfindet ein sogenanntes Ohrensausen. Trotz unterschiedlicher Geräuschwahrnehmung weisen all diese Beschreibungen auf einen Tinnitus hin. Doch warum leidest Du unter Ohrensausen, was genau steckt dahinter und was kannst Du dagegen tun?

Ohrensausen ist in den häufigsten Fällen ein Synonym für Tinnitus. Betroffene hören Geräusche, die andere Menschen in derselben Umgebung nicht wahrnehmen können, da es keine eindeutig zuzuordnende Schallquelle gibt. Diesbezüglich haben ungefähr 25% der Deutschen schon einmal unter Ohrensausen gelitten.

Die Geschichte des Tinnitus

Bei Tinnitus handelt es sich um eine der neueren Krankheiten der modernen Welt. Wie die Depressionen so sind auch die Ohrgeräusche erst seit dem letzten Jahrhundert vermehrt aufgetreten. Seitdem haben sich die Betroffenenzahlen vervielfacht. Gründe hierfür sind, dass die immer moderner werdende Welt auch mit immer mehr Reizen und Lärm einhergeht. Vor 2000 Jahren waren die Quellen für Lärm noch eher gering. Heute finden wir ihn in unterschiedlichsten Formen überall in unserem Alltag. Seien es die hupenden und anfahrenden Autos auf der Straße, die Bauarbeiter, die gerade mit einem Pressluftbohrer ihrer Arbeit nachgehen, Konzerte, die mit ihrer ohrenbetäubend lauten Musik die Härchen in unseren Ohren zu tausenden absterben lassen, oder auch nur unsere eigenen Kopfhörer, die unser Gehör bei zu exzessiver Nutzung langfristig stark schädigen können.

Unser angepasstes Gehör?

Da all dies erst in den letzten paar Jahrhunderten entstanden ist, hatte die Evolution noch keine Zeit unseren Körper an diese Umstände anzupassen. Da unser Gehör evolutionsbedingt also nicht für so viele Lärmbelastungen ausgerichtet ist, wir es jedoch dennoch immer wieder gewollt, oder ungewollt mit selbigen konfrontieren, zieht dies mittel- bis langfristig unweigerlich Krankheiten wie Tinnitus nach sich. Diese sind dann leider nur noch schwer wieder wegzukriegen, doch welche Hilfsmittel es gegen Ohrgeräusche gibt, das möchten wir dir in diesem Artikel gerne zeigen.

Es gibt viele unterschiedliche Arten von Ohrensausen, die wir Dir folgend vorstellen möchten.

Objektives oder subjektives Ohrensausen

Bei objektivem Ohrensausen liegt eine tatsächliche Geräuschquelle im Körper des Betroffenen vor, beispielsweise Geräusche aufgrund strömenden Blutes. Diese Geräusche können dann auch Außenstehende durch tontechnische Verstärkung wahrnehmen. Bei subjektivem Ohrensausen hingegen liegt keine tatsächliche Geräuschquelle vor, sodass das Geräusch nicht für Außenstehende hörbar gemacht werden kann.

Dauer eines Ohrensausens

Bei plötzlich auftretendem Ohrensausen, das bis zu drei Monaten anhält, spricht man von einem akuten Tinnitus. Leidest du allerdings drei bis zwölf Monate unter Ohrensausen, bist du von einem subakuten Tinnitus betroffen. Hörst Du das Ohrensausen konstant seit über einem Jahr, leidest Du unter einem chronischen Tinnitus. Wenn die Geräusche in deinem Ohr jedoch nur immer mal wieder für einige Zeit auftauchen, kann es sein, dass sie ihren Uhrsprung nicht in einem Tinnitus finden. Auch in so einem Fall kann es jedoch ratsam sein einen Arzt aufzusuchen.

Stärke des Ohrensausens: kompensiert oder dekompensiert

Handelt es sich um eine kompensierte Stärke des Ohrensausens nehmen Betroffene zwar ein Ohrensausen war, jedoch schränkt sie das kaum bis gar nicht im Alltag ein. In diesem Fall liegt der Schweregrad I vor, da der Tinnitus keinen Leidensdruck verursacht. Anders ist es bei einer dekompensierten Stärke eines Ohrensausens. Hier ist die Lebensqualität der Betroffenen deutlich eingeschränkt, da das Ohrensausen großes Leid auslöst. Dies ist bei Schweregrad II bis IV der Fall.

Die Schweregrade erläutert

Tritt das Ohrensausen hauptsächlich in Stress- und Belastungssituationen auf, befindest du dich in Grad II der Schwere eines Ohrensausens. Wenn der Tinnitus im Allgemeinen deinen Alltag einschränkt und bereits weitere körperliche Symptome verursacht, handelt es sich um Grad III. Solltest du das Gefühl haben, dass das Ohrensausen dein gesamtes Leben extrem belastet und zu psychischen Begleiterkrankungen führt, liegt wahrscheinlich der Grad IV vor.

Beim Ohrensausen handelt es sich primär um eine monotone Geräuschwahrnehmung, die von Patient zu Patient variieren kann. Die neun von Betroffenen am häufigsten verwendeten Beschreibungen des Tons sind: piepen, klingeln, pfeifen, brummen, rauschen, zischen, knacken, dröhnen und ticken.

Das Ohrensausen kann jedoch auch weitere körperliche Symptome auslösen, wie zum Beispiel:

Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme

Jedes mal beim Einschlafen einen Ton im Ohr zu hören ist nicht gerade förderlich für einen erholsamen Schlaf, da deine Aufmerksamkeit auf dem Geräusch verweilt und du Abends stundelang wachliegst. Am nächsten Morgen bist du dann unausgeschlafen und deine Konzentrationsfähigkeit lässt über den Tag zu wünschen übrig.

Gleichgewichtsverlust und Schwindelgefühle

Dein Gleichgewichtssinn ist eng mit deinem Gehör verbunden. Sollte dein Gehör durch einen Tinnitus beeinträchtigt sein, kann sich dies auch negativ auf dein Gleichgewicht auswirken. Als Folge hieraus entstehen bei vielen Betroffenen temporäre Schwindelgefühle, die sie im Alltag stark belasten.

Psychische Probleme wie Depressionen oder Angstzustände

Viele Betroffene leiden unter psychischen Problemen. Der Tinnitus belastet ihren Alltag stark und auch in der Nacht finden sie keine richtige Ruhe. Sollte dies auch bei dir der Fall sein, kann das Aufsuchen eines Psychologen oder auch einer Tinnitus Selbsthilfegruppe eine gute Idee sein. Hier findest du Leute, denen es ebenso ergeht wie dir und die dir möglicherweise auch gute Tipps für deine Situation geben können.

Muskelverspannungen

Tinnitus führt bei vielen zu einem starken Anstieg ihres Stresslevels. Stress wiederum bedingt körperliche Reaktionen, die oft mit dem Anspannen von Muskeln einhergehen. Da Tinnitus häufig über einen längeren Zeitraum belastet, kann das durch den Stress verursachte häufige Anspannen der Muskeln in letzter Instanz zu starken Muskelverspannungen führen. 

Nicht immer kann man eindeutig differenzieren, welche Symptome Auslöser oder Folge des Ohrensausens sind. Muskelverspannungen können beispielsweise einen Tinnitus begünstigen, oftmals leiden Betroffene aber auch aufgrund von Ohrengeräuschen unter Verspannungen.

Ohrensausen kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Leider kann nicht immer ein eindeutiger Auslöser gefunden werden. Wir haben hier die sieben häufigsten Gründe aufgeführt:

1. Schädigung des Hörnervs oder der Hörsinneszellen

Eine Schädigung des Hörnervs oder der Hörsinneszellen kann dazu führen, dass das Gehör eine bestimmte Frequenz nicht mehr wahrnehmen kann. Dann simuliert der Körper diese Frequenz oftmals und der Betroffene empfindet das beschriebene Ohrensausen. Ursache kann hierfür auch übermäßige Lärmbelastung oder ein Knalltrauma sein.

2. Medikamente

Auch die dauerhafte Einnahme bestimmter Medikamente kann Ohrensausen verursachen. Betroffene sollten daher immer mit einem Arzt abklären, ob der Tinnitus medikamentös begründet sein kann. Zudem kann eine momentane Einnahme von Medikamenten sich auch negativ auf den Erfolg anderer Behandlungen gegen den Tinnitus auswirken. Sollte es sich hierbei nämlich auch um Therapien mit Medikamenten handeln, könnte die Wirkung selbiger zum Beispiel gemindert werden.

3. Erkrankungen

Eine Mittelohrentzündung, eine Erkältung oder Bluthochdruck kann unter Umständen zu Ohrensausen führen. Auch in diesem Fall sollte Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden, um einen chronischen Tinnitus zu vermeiden.

4. Stress, Muskelverspannungen oder Verschleiß der Wirbelsäule

Starker Stress ist sowohl eine psychische Belastung als auch häufiger Auslöser für Muskelverspannungen. Diese können, genau wie eine geschädigte Wirbelsäule, zu Ohrensausen führen, indem die Beschwerden über die Wirbelsäule an den Hörnerv weitergeleitet werden.

5. Kieferfehlstellung

Eine Kieferfehlstellung oder Zähneknirschen kann aufgrund der Nähe von Kiefer zu Hörnerv auch einen Tinnitus auslösen. Dies kommt jedoch seltener vor als die anderen Ursachen.

6. Fremdkörper im Ohr

Wenn sich Fremdkörper im Gehörgang befinden, kann dies zur Geräuschwahrnehmung führen. Fremdkörper können zum Beispiel Wasser oder ein Propfen aus Ohrenschmalz sein.

7. Hormonelle Veränderungen

Hormone spielen im Körper eine wichtige Rolle und können unter Anderem Ohrengeräusche auslösen. Hormonelle Veränderungen treten beispielsweise in den Wechseljahren auf. Vielleicht interessiert Dich auch unser Artikel über den Zusammenhang zwischen Hormonen und Schlafstörungen.

Wann muss ich zum Arzt?

Oftmals verschwinden Ohrengeräusche wieder von alleine. Wenn du aber nach ein bis drei Tagen keine Verbesserung wahrnehmen kannst, solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen. Erste Anlaufstelle ist hierfür der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO). Dieser wird dir einige Fragen bezüglich deines Ohrensausens stellen und dich anschließend untersuchen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Wie wird untersucht?

Hörtest

Beim Hörtest sucht der Arzt nach einer möglichen Schädigung des Gehörs, die zu einer Geräuschwahrnehmung führen könnte. Grund für solche Schäden am Ohr können beispielsweise Lärmbelastungen in der Vergangenheit sein. Warst du zum Beispiel zu oft auf Konzerten ohne deine Ohren ausreichend zu schützen kann sich dies negativ auf deine Gehörfunktion ausgewirkt haben.

Gleichgewichtstest

Dieser Test ist einfach und effektiv zugleich. Wenn du unter Ohrensausen leidest und Probleme hast, auf einem Bein zu stehen, kann der Arzt deinen Tinnitus leicht lokalisieren. Denn dein Gleichgewichtsorgan liegt im Innenohr und wird nur geschädigt, wenn sich dein Ohrensausen in unmittelbarer Nähe befindet.

Ohrmikroskopie

Bei dieser Methode untersucht der Arzt dein Ohr von innen, um beispielsweise auszuschließen, dass sich Fremdkörper in deinem Ohr befinden. Propfen aus Ohrenschmalz sind hierbei eine häufige Ursache dafür, dass es im Ohr zu einem Tinnitus kommt. Dieses Problem kann ein geübter Arzt jedoch leicht lösen, indem er bei dir eine Ohrreinigung durchführt, welche schnell geht und nicht weh tut.

Tinnitus-Matching und Masking

Beim Matching sucht der Arzt nach der Frequenz, auf der du dein Ohrensausen wahrnimmst. Beim Masking versucht der Arzt, eine Frequenz zu finden, die das Ohrensausen überdeckt, sodass der Patient seine Ohrengeräusche nicht mehr hört.

Speziellere Untersuchungen

Weitere Methoden testen die Beweglichkeit des Trommelfells (Tympanogramm) oder untersuchen umliegende Körperbereiche des Ohrs auf Veränderungen, wie zum Beispiel die Nasopharyngoskopie. Möglicherweise wird der HNO-Arzt dich aber auch an einen Facharzt überweisen, um krankheitsbedingte Ursachen, wie Bluthochdruck, auszuschließen.

Da es nicht immer einen eindeutigen Auslöser für das Ohrensausen gibt, gibt es leider auch nicht immer eine konkrete Behandlungsempfehlung. Nicht jeder Tinnitus kann vollständig geheilt werden. Wir haben hier dennoch die sieben effektivsten Möglichkeiten zur Behandlung beziehungsweise Minderung der Symptome zusammengefasst:

1. Durchblutungsfördernde oder entzündungshemmende Medikamente

Beispielsweise durch Infusionstherapien können die Durchblutung und Sauerstoffversorgung im Innenohr optimiert werden. Durch eine Therapie mithilfe von Kortison können Entzündungen behandelt werden.

2. Entspannungsübungen

Yoga, Meditation oder autogenes Training können dir helfen deinen Stress zu reduzieren. Häufig ist auch Akkupunktur eine beliebte Variante zur Entspannung. Vermeide außerdem Stille beim Einschlafen, hier könnte dich auch der Blog-Eintrag über Einschlafprobleme interessieren.

3. Physiotherapie oder Kieferorthopädie

Durch eine physiotherapeutische Behandlung kannst du Verspannungen im Nacken- und Kieferbereich professionell lösen. Frage außerdem nach Übungen, die du selbstständig in deinen Alltag integrieren kannst. Eine kieferorthopädische Behandlung hingegen wird eine mögliche Kieferfehlstellung korrigieren und kann dein Ohrensausen so eventuell heilen.

4. Hausmittel

Die Effekte der medikamentösen Behandlung kann man bei leichtem Ohrensausen teilweise auch durch Hausmittel abbilden. Beispielsweise kann Ingwertee die Durchblutung anregen oder Zwiebeln Entzündungen mindern.

5. Psychologische Betreuung 

Verursacht dein Ohrensausen starken Leidensdruck, kann es sinnvoll sein, mit einem Profi über deine Ängste und Sorgen zu sprechen.

6. Hörgerät

Sollte eine Hörstörung bei dir diagnostiziert werden, kann ein Hörgerät die Symptome des Ohrensausens mindern.

7. Hyperbare Sauerstofftherapie

Diese Therapie zur Verbesserung deines Ohrensausens ist sehr umstritten. Um alles abzudecken, möchten wir dir diese aber nicht vorenthalten. Letztlich soll die Sauerstoffversorgung im Ohr durch Sauerstoffzufuhr in einer Überdruckkammer verbessert werden.

Wie du in diesem Artikel gesehen hast, gibt es viele verschiedene Gründe für Tinnitus, von denen manche gravierender und schwerer zu behandeln sind, während du andere leichter handhaben kannst. Zudem existieren auch viele Behandlungsmöglichkeiten, die du ausprobieren kannst, um den Kampf mit deinem Tinnitus aufzugeben. Hierbei ist es nicht immer nötig, dass du einen Arzt zu Rate ziehst, manchmal reichen auch ganz alltägliche Haushaltsgegenstände und Übungen, die du leicht erlernen kannst, aus, um deinen Tinnitus zurückzudrängen. Probier es aus!

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