Ohrgeräusch? Ursachen und deren Therapieansätze

Der ganze Lärm im Stau, in der Bahn, in der Arbeit und auf dem Heimweg setzen dir immer zu. Dann hast du die Ruhe am Feierabend klar verdient. In die Sonne setzen, ein kühles Getränk dazu und einfach mal den Moment genießen… Wäre da nicht dieses nervige Ohrgeräusch, welches immer erscheint, sobald du deine Ruhe haben willst. Mit diesem kannst du einfach nicht abschalten.

Zuallererst solltest du dich fragen, seit wann das Ohrgeräusch auftritt. Ohrgeräusche deuten nicht gleich auf eine darunterliegende Krankheit und verschwinden in den meisten Fällen daher auch sehr schnell wieder. So sind Ohrgeräusche ein ganz natürliches Phänomen und können oft nach allen möglichen Situationen auftreten, die indirekt oder direkt deine Ohren oder dein Hörsystem beeinflussen. Dazu später mehr.

Du solltest auch auf dein Ohrgeräusch achten und versuchen es zu analysieren. Wie äußert sich das Geräusch? Ist es wie ein Pfeifen im Ohr? Oder doch eher ein Brummen? Oder vielleicht auch ein Rauschen? Wie du siehst können Ohrgeräusche sich unterschiedlich äußern und die Art des Tons kann dir manchmal sogar dabei helfen, der Ursache auf die Spur zu kommen. Außerdem kannst du dich vielleicht dran erinnern wann es das erste Mal aufgetreten ist und ob etwas ungewöhliches davor passiert ist.

Wenn das Geräusch nicht erträglich ist und/oder länger als ein paar Tage anhält, solltest du dir aber auf jeden Fall den Rat eines Arztes einholen.

Wenn du beispielsweise vor Kurzem einer sehr lauten Umgebung (einem Konzert, einer Baustelle, …) oder einem lauten Knall ausgesetzt warst (Knalltrauma) ist es ganz natürlich, dass dein Ohr die akustischen Signale nicht mehr optimal verarbeiten kann und du daher das Ohrgeräusch hörst. Dein Hörnerv kann so stark beschädigt sein und empfängt dadurch nur noch wenige oder keine Signale. Durch die fehlenden Reize versucht er das mit einem dauerhaften Rauschen auszugleichen. Auch eine regelmäßige Lärmaussetzung kann zu Ohrgeräuschen führen, da die sehr empfindlichen Flimmerhärchen in der Hörschnecke Schäden davontragen können. Die Sinneszellen im Innenohr können beschädigt sein oder im schlimmsten Fall das Trommelfell geplatzt sein. Schwerhörigkeit und Tinnitus können leider Folgen solcher Situationen sein. 

Im Fall, dass du kurzzeitig heftigem Lärm ausgesetzt warst, solltest du deinem Ohr noch ein bisschen Zeit geben und abwarten, wie sich das Geräusch entwickelt. Sollte nach ein paar Tagen das Ohrgeräusch nicht verschwunden sein, empfehlen wir dir einen Arzt aufzusuchen.

 

Neben Ohrenschmalzpfropfen oder einem Fremdkörper im Ohr, führen auch viele Ohrerkrankungen zu Geräuschen im Ohr. Der bekannteste Grund ist womöglich die Mittelohrentzündung. Bei einer Mittelohrentzündung ist der Bereich des Gehörknöchelchen entzündet und der Schall kann nicht mehr wie im gesunden Zustand ins Innenohr weitergeleitet werden. Dies kann zum Beispiel auch durch eine Erkältung entstehen, wobei die Schleimhaut in der Ohrtrompete anschwillt und den Druckausgleich verhindert. Auf diese Weise gelangen Bakterien ins Mittelohr, vermehren sich und können eine Mittelohrentzündung auslösen. Zusätzlich können sich Symptome wie Fieber äußern. Meistens helfen Nasentropfen welche die Schleimhaut der Ohrtrompete zum Abschwellen bringt. In schweren Fällen kann es auch zu einer Antibiotika Vergabe führen.   Auch die sogenannte Otosklerose, bei der Knochenumbauprozesse im Mittel- und Innenohr die Schallübertragung einschränken, kann es aus demselben Grund zu Ohrgeräuschen führen. 

Die beste Therapie, um das daraus entstehende Ohrgeräusch zu behandeln, ist eine Behandlung der Mittelohrentzündung. Wenn diese verschwindet, sollte auch das Geräusch automatisch verschwinden. Die Behandlung der Otosklerose ist leider nicht ganz so einfach und erfordert einen operativen Eingriff.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Gefäßverkalkungen können Ohrgeräusche verursachen, da die zu engen Gefäße im Ohr nicht ausreichend Platz für die Blutzufuhr bieten. Ein pulssynchrones Ohrgeräusch deutet höchstwahrscheinlich auf eine Erkrankung dieser Art hin. Im schlimmsten Fall können Symptome wie ein plötzlicher Hörsturz oder Schwindel auch ein Zeichen für einen Schlaganfall sein. Bei frühzeitiger Wahrnehmung kann man eine gefährliche Gefäßveränderung optimalerweise erkennen und somit unter geeigneter Behandlung den Schlaganfall verhindern. In dem Fall sollte vor allem der Blutdruck kontrolliert und in Absprache mit einem Arzt behandelt werden. Unter Anderem sollte man seinen eigenen Lebensstil kritisch überdenken und nach einer „gefäßgesunden“ Lebensweise streben. Dies kann dauerhaft und ohne Nebenwirkungen eine Bildung von Gerinnseln verhindern. 

Gefäß gesunde Ernährung

Es ist zu empfehlen viel Obst und Gemüse zu konsumieren. Diese sind wichtige Quellen für Antioxidanzien und Ballaststoffe. Sie helfen durch ihre kardioprotektiven Eigenschaften, die darin enthaltenen Vitamine (C, E) sowie Carotionide (β-Carotin) und sekundäre Pflanzenstoffe, die Gefäße zu schützen.Außerdem sollte man auf eine ballaststoffreiche Ernährung achten. Darunter zählen zum Beispiel Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte. Ballaststoffe steigern das Nahrungsvolumen und sorgen dafür, dass Cholesterin zu Gallensäure umgebaut wird und senken den LDL- Cholesterinspiegel.

Stress hat eine große Bedeutung bei Ohrgeräuschen, da ca. ein Viertel der Tinnitus Patienten angeben, dass ihr Ohrgeräusch durch Stress verursacht wurde. Stress kann eine Durchblutungsstörung im Innenohr verursachen und ist daher eine weitverbreitete Ursache für Ohrgeräusche. Außerdem kann Stress dazu führen, dass wir unseren Tinnitus verstärkt spüren und hören. Bei Stress wird das Hormon Cortisol ausgeschüttet und der Blutdruck steigt. Dazu kommt , dass bei Cortisol  eine Ausschüttung von Glutamat in den Nervenzellen entstehen kann, welche die Folge von Kalzium Einlagerung hat. Das alles kann zu Schädigungen der Hörsinneszellen im Ohr kommen. Also ist es wichtig individuelle Stressbelastungen zu erkennen und diese zu reduzieren. Auf diese Weise kannst du aktiv gegen deinen Tinnitus arbeiten.  Wenn du mehr zu diesem Thema erfahren willst, lies dir dazu doch gerne unseren Artikel zum Thema Tinnitus und Stress durch.

Häufige Merkmale von Stress sind:

  • Erröten
  • Bewegungsdrang (z.B. Fuß wippen oder nervöses Zucken )
  • Zittern
  • Verstärkter Pessimismus und negative Gedanken
  • Reizbarkeit
  • Verstärktes Schwitzen, feuchte Hände
  • Verspannte Muskulatur (Nacken- oder Rückenschmerzen, Zähne knirschen)
  • Kopfschmerzen
  • Vergesslichkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Häufiges Räuspern oder undeutliches Sprechen
  • Bedürfnis zu Weinen
  • Schlaflosigkeit, Albträume
  • Herzklopfen und erhöhter Puls
  • Kurzatmigkeit oder Hyperventilation
  • Vermindertes Selbstwertempfinden
  • Magen-Darm-Probleme, wie Magenschmerzen, Übelkeit, Durchfall oder Sodbrennen

Verspannungen im Kiefer- und Nackenbereich können auch ein Auslöser deines Ohrgeräusches sein und sind oftmals nicht sehr einfach zu identifizieren. Eine gebückte Haltung, wie sie für viele Leute bei der Arbeit der Fall ist, kann zu Verspannungen der Nackenmuskulatur (Musculus splenius capitis und der Musculus semispinalis capitis an der Halswirbelsäule) führen und damit das Ohrgeräusch verursachen. Besonders wenn der Druck auf einen sogennanten Triggerpunkt fällt. Auch eine zu starke Brustmuskulatur kann zu einer Dysbalance im Bereich der Nackenmuskulatur führen. Da sich viele Nerven und Blutgefäße  im Kieferbereich befinden, führt dies oftmals zu Ohrgeräuschen. Sollte in diesem Bereich ein Ungleichgewicht auftreten, kann es aufgrund der örtlichen Nähe und der vielen Verbindungen zum Hörsystem Ohrgeräusche auslösen.

Schlechte Alltagshaltung

Heut zu Tage sitzen die meisten Menschen Stunden lang am Schreibtisch oder Handy. Dies führt oft zu muskulären Verspannungen und faszialen Verklebungen im Schulter-Nacken-Bereich. Je stärker der Kopf vorgeneigt ist, umso heftiger zieht die Schwerkraft an den Nackenmuskeln.

Kraftsport

Beim Kraftsport werden meist nur bestimmte Muskelkgruppen trainiert und andere vernachlässigt. Dabei entsteht eine gewisse Dysbalance. Besonders in der Halswirbelsäule, da der obere Rücken schnell mal zu kurz kommt beim Training. Ohne einen gewissen Ausgleich zieht der Brustmuskel durch seine Verkürzung den Kopf nach vorne in eine unnatürliche Haltung.

Du kannst das ganze mit  gezielter Bewegung lösen, indem die muskuläre Verhärtung abnimmt und somit der Druck vom Nerv genommen wird. Wichtig dabei ist eine wesentliche Fitness und besonders die Rumpfkraft, mit der man eine gesunde Haltung wieder aufbauen kann. Nach jedem Krafttraining sollte man sich jedoch gründlich Dehnen, sonst verkürzen und verhärten sich die Muskeln gleich wieder.

Falls du schon von Tinnitus betroffen bist, solltest du auf ein paar Kleinigkeiten im Alltag beachten. Zu Beginn ist es besser keinen Sport zu betreiben der zu sehr auf Schulter und Nacken geht wie beispielsweise Klettern, Kraulen oder Tennis. Effektiver sind etwa autogenes Training oder Progressive Muskelentspannungen. 

Die Einnahme von Alkohol, Drogen und bestimmten Medikamenten kann zu einem Ohrgeräusch und im schlimmsten Fall zu einem Hörverlust führen. Das liegt am Einfluss, den diese Mittel auf unser zentrales Nervensystem und unser Herz-Kreislauf-System haben. Dadurch können zum Beispiel die sehr empfindlichen Haarzellen der Hörschnecke und das anliegende Gewebe beschädigt werden. Dieser Prozess wird Ototoxizität genannt. Bekannte ototoxische Mittel sind neben Alkohol auch verschiedene Antibiotika, Nikotin oder platinhaltige Medikamente.

Alkohol

Die einen berichten, das Ohrgeräusch sei stärker nach dem Alkohol Konsum, die anderen meinen es sei weniger. Der Grund dafür ist, dass Alkohol in geringen Mengen anregend wirkt und die Aufmerksamkeit auf das Ohrgeräusch angeregt wird. Im anderen Fall wirkt der Alkohol in größeren Mengen oftmals entspannend. Auf diese Weise kann Alkohol dazu beitragen das Ohrgeräusch für kurze Zeit verringert wahrzunehmen. Dies ist auf keinen Fall ein Vorschlag für die Nutzung von Alkohol!

Im Gegenteil, denn Alkohol wirkt direkt auf das zentrale Nervensystem, wo auch die Hörempfindung verarbeitet wird. Alkohol resultiert bei übermäßigem Konsum meist eher zu Gleichgewichtsstörungen oder auch Sprach- und Konzentrationsschwierigkeiten. Deswegen rät man dazu bei einem Tinnitus den Alkoholkonsum zu reduzieren oder sogar ganz zu unterlassen.

Medikamente

Es gibt Medikamente auf dem Markt welche gegen unterschiedliche Erkrankungen helfen, jedoch Substanzen erhalten welche eine potentiell schädigende Wirkung auf das Hör- und Gleichgewichtsorgan haben. Im besten Fall ist dies nur eine vorübergehende Funktionsstörung wiederum im Schlimmsten eine irreversible Zelldegeneration. Ototoxizität kann aber durch Beachtung der genauen Dosierung oder Vermeidung der Kombination mit anderen ototoxischen Medikamenten vermieden werden. 

Sollte ein Hörschaden durch die genannten Mittel auftreten, kann eine Rücksprache mit dem Arzt weiterhelfen, der dir möglicherweise Alternativprodukte verschreiben kann.

Wichtig zu wissen ist: es ist völlig normal ein Ohrgeräusch wahrzunehmen. Viele Gründe können dazu führen und deuten nicht zwangsläufig auf eine Krankheit oder Verletzung hin. Wie in unserem Artikel beschrieben, sind Ohrgeräusche nur Symptome einer tieferliegenden Ursache und verschwinden in den meisten Fällen nach einer kurzen Zeit. Die Schwierigkeit in der Behandlung besteht leider genau darin, dass die Ohrgeräusche verschiedene Ursachen haben. Um sie also zu behandeln, müssen unterschiedliche Hypothesen getestet werden und der Arzt muss den Patienten zu seiner Umgebung, seinen Angewohnheiten etc. befragen.

 

Wir hoffen, dass wir dir mit diesem Artikel weiterhelfen konnten und freuen uns, wenn du dadurch dein Ohrgeräusch und dessen Ursachen besser kennenlernen konntest.

Ohrgeräusch

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