Wissenschaftlicher Hintergrund

In Industrieländern leiden 5–15 % der Gesamtbevölkerung an einer Tinnitus-Erkrankung (Pilgramm,1999). In Deutschland sind es rund 7 % der Erwachsenen, welche unter einem chronischen Tinnitus leiden (Kunst, 2017). Tinnitus ist die Wahrnehmung eines Geräuscheindrucks, wie beispielsweise Pfeifen, in Abwesenheit eines entsprechenden akustischen Reizes (u.a. Dohrmann, Katalin & Elbert, 2007). Die Krankheit kann bei Betroffenen sowohl physische als auch psychische Begleitsymptome und Folgeerkrankungen, u.a. Depressionen, Ängste, Konzentrationsmängel und allgemeine Antriebslosigkeit, auslösen (u.a.Oishi, 2011; Dobie, 2003; Cronlein, 2007; Zöger, 2006). Aktuell gibt es keine Heilung, sondern nur Therapieansätze, um die Symptome zu mildern (Hoare, 2011). Hier setzt Tinus mit seinem Tinus One Kissen an. Sie haben erkannt, dass die meisten Probleme der PatientInnen im Zusammenhang mit dem Schlafen entstehen. Durch das Tinus One Kissen macht sich Tinus einen weitverbreiteten Therapieansatz, die akustische Therapie, zunutze und hilft durch diesen den Tinnitus Leidenden besser einzuschlafen.

Weshalb leiden so viele Tinnitus PatientInnen an Schlafproblemen?

Der Schlaf gilt als wesentlicher Erholungszustand für den Menschen, da er an der Regulierung wichtiger kognitiver und physiologischer Funktionen des Körpers beteiligt ist.
Chronischer Schlafverlust kann daher dramatische Folgen haben. Das Gehirn schrumpft, Angstzustände, Konzentrationsschwierigkeiten und eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten sind nur einige Beispiele. In unserer heutigen Gesellschaft ist Schlafmangel allerdings ein weit verbreitetes Problem. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Schlaf eine wichtige Rolle für das reibungslose Funktionieren unseres Gehirns und die Gesundheit unseres Körpers spielt. Deshalb ist eine gute Schlafqualität sehr wichtig. (Jha & Jha, 2020)

Dies ist für Tinnitus-Betroffene besonders schwierig, da Tinnitus mit Schlafstörungen korreliert. Etwa 50 % der PatientInnen, die an schwerem Tinnitus leiden, klagen auch über Schlafschwierigkeiten (Burgos et al., 2005; Jakes, Hallam, Chambers, & Hinchcliffe, 1985). Außerdem zeigen mehrere Studien, dass das Einschlafen eines der größten Probleme für Tinnitus Erkrankte ist (Axelsson & Ringdahl, 1989; Jakes et al., 1985; Tyler & Baker, 1983). Tyler und Baker (1983) stellten sogar fest, dass 56,9 % ihrer Probanden das Einschlafen als
ihre größte Schwierigkeit im Zusammenhang mit Tinnitus sehen. Das Problem ist, dass das Ohrgeräusch nachts lauter und störender wahrgenommen wird, da die Umgebung vollkommen ruhig ist. Infolgedessen haben die Betroffenen Schwierigkeiten beim Einschlafen, die Nacht durchzuschlafen und die Tagesmüdigkeit zu bewältigen (Jakes et al., 1985; Sullivan et al., 1988).
Neuere Studien haben sogar gezeigt, dass es eine hohe Korrelation zwischen dem Schweregrad des Tinnitus und der Schlafstörungen besteht (Alster, Shemesh, Ornan, & Attias, 1993; Burgos et al, 2005). Insgesamt bedeutet dies, dass Tinnitus PatientInnen, vor allem diejenigen, die unter schwerem Tinnitus leiden, haben ein dringendes Bedürfnis, ihre Schlafqualität zu verbessern.

Aber welche Therapiemöglichkeiten gibt es, die Schlafqualität zu verbessern und den Tinnitus zu reduzieren?

Therapiemöglichkeiten bei Tinnitus

Obwohl Tinnitus so einschneidend für das Leben der Leidenden ist, konnten ÄrztInnen noch keine Behandlungsmethode finden, die zur Heilung führt. Für Betroffene bedeutet dies den Verlust der Ruhe in ihrem Alltag. Die einzige Möglichkeit, die sie haben, ist mit ihrem Tinnitus leben zu lernen und zu versuchen, die Symptome zu lindern. Während die Meisten es schaffen sich mit dem Tinnitus zu arrangieren, suchen ca. 20 % einen Arzt auf. Die Tatsache, dass es keine Heilung für Tinnitus gibt, macht es notwendig, zumindest die sekundären Symptome der Betroffenen zu lindern (Tang, Li, & Chen, 2019).

In der Vergangenheit haben sich drei Hauptansätze zur Bewältigung von Tinnitus und seinen Sekundärsymptomen entwickelt. Der erste ist die konservative Behandlung, die auf die Linderung der sekundären Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität zielt. Im Allgemeinen wird der Lebensstil der PatientInnen so geändert, dass Stress reduziert, der Schlaf und die Ernährung verbessert und die Gesundheit priorisiert wird. Die Umsetzung der konservativen Behandlung ist sehr individuell. Für einige kann es hilfreich sein, regelmäßig Sport zu treiben, während andere mehr Zeit für sich selbst brauchen und anfangen zu meditieren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die die Wahrnehmung des Ohrgeräuschs für den Einzelnen verbessern können, aber es lässt sich kein objektiver Gesamteffekt feststellen (Wu, Cooke, Eitutis, Simpson, & Beyea, 2018).

Zweitens spielt das Counselling eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Tinnitus. Es gibt verschiedene Methoden, die sich in ihrem Vorgehen leicht unterscheiden. Die in den letzten Jahren bekannteste ist CBT. Die Therapie basiert auf dem Prinzip, den PatientInnen zu lehren, positiv zu denken und negative und belastende Gedankengänge umzustrukturieren. Auf diese Weise lernen die PatientInnen, für sich selbst eine positivere und unterstützende Umgebung zu schaffen. Stress und Ängste, die normalerweise Tinnitus auslösen, da das sympathische Nervensystem angesprochen wird, werden zurückgedrängt. Dadurch wird die Lebensqualität verbessert und
Depressionen wird vorgebeugt (Esmaili & Renton, 2018).

Die letzte Möglichkeit ist die Klangtherapie, die es seit den 1970er Jahren gibt und die immer noch auf demselben Prinzip beruht. Dabei werden Geräusche oder Musik abgespielt, um die Betroffenen von ihrem Phantomgeräusch abzulenken. Durch die Verringerung des Kontrasts zwischen Hintergrundgeräuschen und Tinnitus wird der Tinnitus selbst von den PatientInnen als weniger intensiv wahrgenommen. Aus diesem Grund lassen viele Betroffene tagsüber das Radio laufen oder hören beim Einschlafen Musik. Diese Technik, den Tinnitus durch Geräusche zu lindern, wird allgemein auch als Masking bezeichnet. Je nach Art des verwendeten Geräuschs werden unterschiedliche Wirkungen gemessen. Ein beruhigendes Geräusch führt zu einem niedrigeren Stresslevel und einem besseren Befinden, Hintergrundgeräusche sind besonders nützlich, wenn der Tinnitus nicht wahrnehmbar sein soll, und interessante Geräusche werden eingesetzt, um eine Person vom Ohrgeräusch abzulenken (Henry, Zaugg, Myers, & Schechter, 2008).

Die Strategien der Klangtherapie bieten viele Vorteile. Erstens sind sie nicht invasiv und haben keine unerwünschten Nebeneffekte. Die lindernde Wirkung auf die PatientInnen und ihren Tinnitus ist oft unmittelbar, kontrollierbar sowie frustrations- und angsthemmend. Außerdem wird der Tinnitus behindert und unterdrücken, teilweise verschwindet er vorübergehend. Sie erhöhen auch die Durchblutung des Ohres und fördern die Reorganisation der Nervenbahnen, die den Weg für den Heilungsprozess ebnen (Folmer& Carroll, 2006).

Besonders akustische Therapie in Form von Musik wirkt sehr beruhigend, da sie sich positiv auf die neuronalen und hormonellen Aktivitäten aus wirkt und für psychologische Entspannung sorgt, indem sie das limbische oder paralympische System aktiviert (Deniz et al., 2020).

Klangtherapie kann auch als Entspannung vor oder während dem Schlafen genutzt werden, um das Einschlafen zu erleichtern.

Studien bestätigen, dass die Soundtherapie während des Schlafens die Schlafzyklen nicht beeinträchtigt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Behandlung Ängste lindert und hilft, besser einzuschlafen, indem ähnliche neuronale Netzwerke wie beim Lernen aktiviert werden (Marisa Pedemonte et al., 2014).
Die Ergebnisse anderer Studien zeigen, dass die akustische Therapie während des Schlafs die Tinnitus Intensität bei allen PatientInnen innerhalb von maximal drei Wochen verbesserte. Zudem berichteten alle PatientInnen über eine Verbesserung ihrer Schlaflosigkeit (M. Pedemonte et al., 2010).

Wie hilft Tinus?

Tinus bemüht sich sehr, immer auf dem neusten Stand der Forschung zu sein. Durch die Zusammenarbeit mit dem Tinnitus Center Regensburg und Tinnitus-Selbsthilfegruppen, sind Sie stets im Austausch mit der Zielgruppe, um bestmöglich zu helfen. Die oben aufgeführten wissenschaftlichen Ansätze hat Tinus evaluiert und ihr Kissen Tinus One geschaffen. Hiermit unterstützen Sie PatientInnen in der großen Problematik des Einschlafens mit Tinnitus (Tyler und Baker, 1983). Durch die Möglichkeit jeden beliebigen Klang oder Musik über das Kissen abzuspielen, kann jede individuelle Klangtherapie mit dem Kissen durchgeführt werden. Somit kann der Nutzer während des Einschlafen Musik abspielen, welche beruhigend und entspannend wirkt (Deniz et al., 2020). Außerdem kann er bequem und ohne seinen Schlafpartner zu stören, nachts die Klagtherapie durchführen, um die Intensität des Tinnitus zu verbessern (M. Pedemonte et al., 2010). Auch die beiden anderen Haupttherapieansätze behält Tinus im Blick. Durch die Zusammenarbeit mit Meditations- und YogatrainerInnen produziert Tinus Inhalte, welche über das Kissen abgespielt werden können und den NutzerInnen helfen können, positiv und stressfrei mit ihrem Tinnitus umzugehen (Wu, Cooke, Eitutis, Simpson, & Beyea, 2018; Esmaili & Renton, 2018).

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